Dürfen Sozialarbeiter sich an Abschiebungen beteiligen?

Am 25.2.2018 nahm der DBSH an einer Veranstaltung zum Thema Flüchtlingshilfe teil. Mit der Veranstaltung „#Opentheislands! Berichterstattung über die Situation geflüchtete auf Lesbos“ wurde auf die schwierige Situation geflüchteter Menschen auf den griechischen Inseln, sowie der dort stattfindenden sozialen Arbeit aufmerksam gemacht und diese öffentlich diskutiert. Es wurde dargestellt, wie katastrophal die humanitären Probleme bei der Bewältigung des immer noch stattfinden Zugangs an flüchtenden Menschen war und ist. Auch die sozialen Spannungen sowohl zwischen der einheimischen Bevölkerung sowie den zugereisten Migranten*innen selbst erschien als ein erhebliches Problem auf den Inseln. Gernot Eisermann stellt die ambivalente und schwierige Situation von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Flüchtlingsfragen dar. Er berichtete auch über seine aktuellen Eindrücke aus Türkei, die er 2017 für mehrere Monate bereiste. 

 

Dürfen sich Sozialarbeiter*innen an Abschiebungen beteiligen?

 

Als ebenfalls großes Problem für soziale Arbeit auf den griechischen Inseln sowie dem Rest Europas und Deutschlands stellt sich die Frage dar, dürfen oder sollten Sozialarbeiter*innen bei der Abschiebung von geflüchteten Menschen beteiligt werden oder sich beteiligen lassen? Eine einheitliche Antwort darauf fällt jedoch schwer. Seit Beginn der Flüchtlingskrise beschäftigt sich der Berufsverband für Soziale Arbeit immer wieder mit der Fragestellung, wie aus sozialarbeiterischer Sicht mit den migrationsspezifischen Problemen umgegangen werden kann und soll. Im Verband gibt dazu sehr verschiedene Ansichten. Die eine Sichtweise lehnt die Beteiligung von Sozialarbeitern an Abschiebungen konsequent ab. Andere sind der Meinung, dass eine geordnete und unterstützende Rückführung in die Herkunftsländer von Sozialarbeitern unterstützt werden sollte, da diese einschneidende Maßnahme nicht nur von Polizisten durchgeführt werden sollte.

Es wurde deutlich, dass es sich bei Migrationsfragen um mehrere Fragestellungen handelt, die zwar alle mit Migration und Flucht zu tun haben, letztlich aber eigenständig betrachtet werden sollten. Es erscheint, dass häufig der Diskussion grundsätzliche Haltungen aufeinandertreffen. Die einen, die das Recht auf Migration und Wanderung einfordern, und gegen eine Kriminalisierung von Migrationen sind. Die anderen, welche am liebsten kaum bis keine Migration in Deutschland sehen möchten. Dazwischen spielt sich das Leben der Migrantinnen und Migranten, der Bevölkerung sowie die sozialarbeiterische Praxis ab.

Es sei dazu auf den Artikel „Flucht und Asyl - Ein Zwischenruf“ in der aktuellen Ausgabe der Verbandzeitschrift „Forum Sozial“ hingewiesen. Der Artikel von Wilfried Nodes beleuchtet in interessanter und anschauliche Art und Weise, das für und Wider bzw. die Schwierigkeiten für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in aktuellen Flüchtlingsfragen die damit verbundenen Dilemmata.